Vedrana Rudan: Mein Mann

Titel des Originals: Moj muž

Dieser Text wurde Vedrana Rudans - noch nicht ins Deutsche übersetztem - Buch „Wenn die Frau eine Nutte ist/Wenn der Mann eine Schwuchtel ist“ (”Kad je žena kurva/Kad je muškarac peder”) entnommen.

Dies ist die erste Veröffentlichung in deutscher Sprache und erfolgt mit Erlaubnis der Autorin.

Aus dem Kroatischen von Grozdana Bulov.

Frauen werden unterteilt in die Unglücklichen, die keinen Mann haben, die Glücklichen, die schon einen haben, und die jungen, die eines Tages einen haben werden, wenn sie glücklich sind. Wer ist also die Glückliche Frau? Die Glückliche Frau ist ein menschliches Geschöpf, das alle paar Minuten zwei Worte sagt. Das erste Wort ist Mein, das zweite Mann. Wenn die Glückliche Frau die Worte Mein Mann sagt, fügt sie meistens noch etwas hinzu, welchen Wein er trinkt, Mein Mann, warum er aufstoßen muss, wenn er Zwiebeln gegessen hat, mein Mann, wie oft er sich nicht wäscht, Mein Mann, wie viel er bei der Geburt gewogen hat, Mein Mann, drei Kilo neunzig, wie lang er bei der Geburt war, Mein Mann, fünfzig Zentimeter war er, Mein Mann. Er ist ein fantastischer Liebhaber, Mein Mann, und er kann stundenlang, und er hat einen Riesigen, Mein Mann. Er schlägt mich wirklich nur, wenn er aufgebracht und betrunken ist, Mein Mann, das hat er vom Krieg, Mein Mann, außerdem war sein Vater auch ein Trinker. Die Glückliche Frau weiß, dass es zwischen ihrem Meinem Mann und der kleinen Schlampe vorbei ist, weil sie ihn freitagnachmittags nicht mehr anruft. Die Glückliche Frau weiß, dass Mein Mann so wenig verdient, weil seine Chefin eine Fotze ist, und sie ist eine Fotze, weil sie niemanden hat, den sie Mein Mann nennen kann. Oh, wie unglücklich wäre die Glückliche Frau, wenn sie keinen Meinen Mann hätte!! Wem würde sie abends ein wärmendes Süppchen zubereiten, Truthahnschnitzel klopfen und würzen, Karfiol blanchieren und darauf achten, dass er ja nicht zerkocht wird, denn Mein Mann mag keinen weichgekochten Karfiol… Wem würde die Glückliche Frau am nächsten Tag die Schnitzel in heißem Öl braten und dabei vor dem Herd tänzeln, weil nicht einmal das Gas schnell genug ist, und Mein Mann bereits von der Arbeit heimgekommen ist, sich gerade umzieht, den Sakko und die Hose abstreift und in seine ranzigen Bermudas schlüpft; wenn Mein Mann an der Küchentür erscheint, muss die dampfende Suppe schon auf dem Tisch stehen.

Mit vollem Mund spricht man nicht, deswegen wird die Glückliche Frau Meinen Mann nicht fragen, wie sein Tag war. Wenn Mein Mann darüber reden möchte, wird er selbst erzählen, wie sein Tag war. Mein Mann ist ein wortkarger Mensch, er schlürft die heiße Suppe und fragt die Glückliche Frau nicht, was sie am Markt eingekauft hat, bevor sie zur Arbeit gegangen ist. Die Glückliche Frau geht jeden Tag vor der Arbeit auf den Markt, das weiß Mein Mann, deswegen braucht er nicht nach Details zu fragen und deswegen wird er auch niemals, niemals erfahren, wo die Glückliche Frau den Fisch, der jetzt im Kühlschrank liegt, in der Zwischenzeit aufbewahrt hat. Im Kühlschrank steht auch der Lieblingswein von Meinem Mann. Mein Mann trinkt zum Essen nur Chardonnay by Robert Mondavi, 14% vol. Wenn Mein Mann fertig gegessen hat, begeht er sich ins Schlafzimmer. Die Glückliche Frau weiß, dass ihr Mein Mann nach dem Essen niemals ein Nachmittagsschläfchen macht.

Mein Mann liest im Schlafzimmer die Zeitung. Die Glückliche Frau räumt den Tisch ab und stellt das Geschirr in den Geschirrspüler, damit das Waschbecken frei ist und sie dort den Fisch ausnehmen kann, den sie Meinem Mann morgen zum Mittagessen servieren wird. Mein Mann mag dazu grünen Salat, frisch und knackig aber nicht nass und letschert, deswegen wäscht die Glückliche Frau den grünen Salat und wirft ihn in die Salatschleuder, damit morgen alles schon bereit ist. Mein Mann mag es nämlich nicht, wenn er auf das Mittagessen warten muss. Während das leise Schnarchen Meines Mannes, der im Schlafzimmer die Zeitung liest, die Luft erfüllt, stellt die Glückliche Frau das Bügelbrett auf und nimmt die T-Shirts und Hemden aus dem Wäschekorb heraus. Mein Mann hasst es, wenn in der letzten Minute gebügelt wird, wenn im Schrank nur Hemden hängen, die er nicht anziehen möchte und sein orangenes Lieblingsoberteil, das nur Handwäsche verträgt, tagelang im Korb mit der Schmutzwäsche liegt. Die Glückliche Frau fühlt sich entspannt und glücklich, wenn sie die Sachen ihres Meinen Mannes bügelt.

Wenn die Glückliche Frau für ihren Meinen Mann bügelt, wird sie nämlich nicht von schlechtem Gewissen aufgefressen, das sie sonst plagt, wenn sie am Balkon eine Zeitschrift liest oder eine Blume anstarrt, die nicht Lumbago sondern Plumbago heißt. Es gibt viele unglückliche Frauen auf dieser Welt, die keinen Meinen Mann haben, ihre einzige Beschäftigung ist es, die Blume Plumbago anzustarren und auf den Anruf einer Freundin zu warten, die sie darüber aufklären wird, wie sie einen Meinen Mann finden, weil sie schon ihren Meinen Mann hat. Alle Glücklichen Frauen auf dieser Welt sind auf die gleiche Weise glücklich, weil sie ihren Meinen Mann haben, alle unglücklichen Frauen sind auf die gleiche Weise unglücklich, weil sie keinen Meinen Mann haben. Wenn die Glückliche Frau aufgrund von irgendwelchen unglücklichen Umständen keinen Meinen Mann hätte, würde sie in diesem Augenblick, während das Bügeleisen auskühlt und die frischgebügelten Hemden an den Kleiderbügeln vom mehrarmigen Leuchter herunterhängen, nicht in die Küche eilen, um das Frozen Yogurt mit Brombeeren, Lieblingsmarke von Meinem Mann, aus dem Tiefkühlfach herauszunehmen, es zu Kugeln zu formen und in einem Schüsselchen am Couchtisch vor dem Fernseher zu servieren. Mein Mann liebt es, die Brombeeren aus dem Frozen Yogurt herauszulöffeln, während er die Nachrichten schaut. Während Mein Mann die Nachrichten schaut, schält die Glückliche Frau schon einmal die Kartoffeln vor, die sie morgen in heißem Wasser kochen und dabei beten wird, dass sie schnell genug gar werden. Scheiße, sagt Mein Mann, während die Sportnachrichten laufen.

Mein Mann wird der Glücklichen Frau nicht verraten, warum er Scheiße gesagt hat. Die Glückliche Frau ist ein dümmliches Wesen, das von Sport keine Ahnung hat. Mein Mann nimmt ihr das nicht übel. Mein Mann weiß, dass Männer und Frauen wie Äpfel und Birnen sind und weder gleich noch ähnlich sind, noch jemals sein können. Wenn Mein Mann das Eis ausgelöffelt hat, verlangt er mit einem fragenden Blick nach dem Abendessen. Die Glückliche Frau weiß, dass ihr Mein Mann auf Diät ist, er hat erhöhte Cholesterinwerte und dreißig Kilo Übergewicht. Jeden Abend sagt Mein Mann zu der Glücklichen Frau, man solle nur bis 18 Uhr essen, alles, was man nach 18 Uhr zu sich nehme, verursache früher oder später eine Krankheit. Das sagt Mein Mann, weil er so klug und gebildet ist. Die Glückliche Frau hat zehn Kilo Untergewicht, weil sie glücklich ist, und sie ist glücklich, weil sie ihren Meinen Mann hat. Ihr Mein Mann wäre wohl auch glücklich, wenn er mit einem Meinem Mann zusammenlebte? Vielleicht hätte er dann keine 30 Kilo zu viel auf dem Bauch und würde nicht gleich nach dem Nachmittagsdessert nach dem Abendessen fragen? Zum Glück hat die Glückliche Frau für Meinen Mann, während dieser im Schlafzimmer zeitunglesen war, etwas delikaten Pager Schafskäse, ein paar Scheiben getrockneten Schweinemagen aus dem Oberen Savinja-Tal, etwas slawonischen geräucherten Kulen und ein paar Würfel Feta vorbereitet.

Das alles hat sie mit knackigen Radieschen garniert, aus denen ihre geschickten, glücklichen, weiblichen Hände rosarote Blüten gezaubert haben. Abends trinkt mein Mann einen Rotwein, Plavac, Weingut Svirče, Zimmertemperatur, aus einem tiefen, breiten Rotweinglas. Abends schaut Mein Mann die Glückliche Frau an, während diese das Serviertablett in das Waschbecken räumt und die zerknüllte Serviette in den Mülleimer schmeißt. Die Glückliche Frau braucht keine Worte, sie weiß, was dieser Blick bedeutet, also stellt sie sich auf die Zehen und holt aus dem Hängeschrank eine dunkle Schokolade, 85% Kakao. Während Mein Mann die US Open schaut, geht die Glückliche Frau ins Bad. Das orangene Lieblingsoberteil ihres Meinen Mannes weicht sie im Bidet ein, in lauwarmem Wasser, dann geht sie duschen, trocknet sich ab, putzt sich die Zähne, wäscht das Gesicht, damit sie hübsch ist, wäscht das organene Oberteil, wringt es vorsichtig aus, bringt es zum Trocknen auf den Balkon heraus. Gute Nacht, sagt die Glückliche Frau zu ihrem Meinem Mann, der immer noch fernschaut und sie nicht bemerkt. Die Glückliche Frau fällt sofort in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf. Zwei, drei Stunden später spürt sie, wie ihr Mein Mann auf ihr liegt. Mein Mann hechelt, er sagt, beweg dich doch ein bisschen, sei nicht so verklemmt wie die heilige Jungfrau Maria. Die Glückliche Frau bewegt sich ein bisschen. Mein Mann stöhnt. Wie traurig, unendlich traurig, das Leben der Glücklichen Frau wäre, wenn... Kann es überhaupt ein glückliches Leben ohne Meinen Mann geben?

Titel des Originals: Moj muž

© Vedrana Rudan, https://www.rudan.info, FB: https://de-de.facebook.com/VedranaRudanBlog/about/

© Deutsche Übersetzung: Grozdana Bulov, Wien

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