Vedrana Rudan

Mollig, Rollig, Drollig

Titel des Originals: Bucek, mucek, picek

Dieser Text von Vedrana Rudan wurde im Buch ”Kad je žena kurva/Kad je muškarac peder” („Wenn die Frau eine Nutte ist/Wenn der Mann eine Schwuchtel ist“) sowie im Onlineportal "Nacional" veröffentlicht.

Dies ist die erste Veröffentlichung in deutscher Sprache und erfolgt mit Erlaubnis der Autorin.

Ins Deutsche übersetzt von Grozdana Bulov. Lektorat: Jelena Gazarek

EIN MANN, ungeachtet dessen ob es sich um einen Herrn Schriftsteller, Herrn Komiker, Herrn Dichter, Herrn Politiker, Herrn Pfarrer oder Herrn Journalisten handelt, kann es einfach nicht lassen. Sein Bedürfnis, auf Frauen zu scheißen, und zwar bei jeder Gelegenheit und an jedem Ort, ist einfach unüberwindbar. Sitzen die Jungs in einer verrauchten Kneipe eng zusammen, rülpsen sich gegenseitig in den Mund und beschnuppern sich gegenseitig die verschwitzen Achselhöhlen, dann sind die Frauen am benachbarten Tisch alles kleine Nutten, denen sie es derart besorgen würden, dass sie es ihr Leben lang nicht vergessen… Sitzen dieselben Männlein in einem Fernsehstudio, oder geben ein Interview, sind sie natürlich zivilisierter. So hat unser größter lebender kroatischer Dichter-für-enge-Massen in den Medien veröffentlicht, dass er seinen Goldfischen Namen von Fernsehmoderatorinnen gegeben habe. Die Nation fand das äußerst lustig. Was für eine Basis! Ein Vergleich zwischen stockdummen Goldfischen, die im Aquarium ihre Kreise drehen, und den stockdumen, vollbusigen Fernsehmoderatorinnen Mollig, Rollig und Drollig, die geradezu Übermenschliches leisten müssen, um den Text, der ihnen eingespielt wird, richtig vorzulesen?! Herrlich! Der Dichter muss es wohl wissen, weil er ja intelligent ist: Alle Fernsehmoderatorinnen sind genauso dumm wie seine Goldfische. Die Medien berichteten auch darüber, dass der Goldfisch Mollig das Zeitliche gesegnet hatte, hahahaha, danach war auch Drollig gestorben, hahahaha…. Schließlich wurde die Nation von der Ehegattin des Dichters unterrichtet, dass auch Rollig von uns gegangen war, ahahaha… Zum Zerkugeln.

In letzter Zeit ist es schlichtweg unmöglich, eine Zeitung aufzuschlagen, den Fernseher einzuschalten oder eine Feier zu besuchen, ohne dass einem ein gewisser Herrn Komiker, den die Nation als solchen betrachtet, entgegenspringt. Auch er macht es wie unser großer Dichter und zieht gerne über Frauen her, wenn er nicht gerade unsere slowenischen Nachbarn aufs Korn nimmt. „Die Frau ist der beste Freund des Menschen“, lautet sein Lieblingsspruch. Ich habe Männer, die ich für normal halte, darauf angesprochen. Alle winkten mit der Hand ab, meinten, ich sei überempfindlich, Fernsehmoderatorinnen dächten schließlich mit ihren Silikontitten, der Dichter mache nur Spaß, er sei ein guter Mensch, ein echter Intellektueller, ein Zyniker halt, vor kurzem wurde er operiert, Gott sei Dank sei alles gut gelaufen, ich solle ihn einfach in Ruhe lassen. Der Komiker reiße halt seine Witze, er verdiene sein Brot wirklich schwer, es sei nicht einfach in der Zeitung, im Fernsehen, auf jedem Dorffest immer nur lustig zu sein, das Unterhaltungsgeschäft sei ein hartes Pflaster, und übrigens habe der Komiker mehrere Töchter zuhause, er kriege einfach keinen Sohn zustande; das solle ich alles in Betracht ziehen, ich hätte eine gewisse Macht, die dürfe ich nicht missbrauchen und mich an dem wehrlosen Dichter auslassen, der täglich eine Handvoll Medikamente schlucken müsse, oder an dem armen Komiker, dem es nicht einmal gelinge, einen Sohn einzuspritzen.

Na gut, sagte ich zu meinen männlichen Freunden, die ich als normal ansah, wieso bedient der wehrlose Dichter, der so wehrlos und krank ist und so viele Medikamente schluckt, aber erfolgreich operiert wurde und – Gott sei Dank - überlebt hat, (wieso bedient er) nicht mal ein anderes Thema? Und wieso holt sich der Komiker, wenn er schon keine männlichen Nachkommen zeugen kann, nicht einen Adoptivsohn und zieht dann Männer durch den Kakao, die glauben, dass sie unbedingt einen Sohn haben müssen, was sie nicht müssen, und sagt ihnen, sie sollen doch einen Sohn adoptieren, wenn sie keinen machen können, aber unbedingt meinen, dass sie einen brauchen? Er soll die Nation doch mal damit zum Lachen bringen, dass er uns erklärt, was ein Sohn so hat, was fünf Töchter nicht haben!

„Komm schon, Alte, du bist echt überempfindlich, da geht es doch nicht um Mann und Frau, die Jungs sind doch keine primitiven Frauenhasser, das sind beide verheiratete Männer, wir haben es dir doch gesagt, der Eine hat ein Haus voller Frauen, der Dichter hat eine Enkelin, die er heiß liebt, die Kleine war echt dahingerafft, als das mit den Goldfischen Mollig, Rollig und Drollig passiert war, du übertreibst maßlos, das ist eine Geschichte über Aquarienfische, die nur kurze Zeit ihre Flossen schwingen konnten, bevor sie krepierten“.

Der Komiker meine das doch nicht ernst, dass Frauen keine Menschen seien, er habe die Schöpfungsgeschichte nur bis dahin gelesen, wo stehe: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn“; danach heiße es „Als Mann und Frau schuf er sie“, aber das habe der Komiker nicht verstanden. Die kroatische Öffentlichkeit dürste nach Unterhaltung, wichtig sei doch, dass das Publikum lache, außerdem hätten unsere TV-Moderatorinnen wirklich riesige Titten, und wir alle wüssten, dass sie stockdumm seien. „Du hast die Macht, du arbeitest in den Medien, sei vorsichtig, schwinge keine großen Reden über kleine Themen, wenn Männer Frauenwitze reißen, meinen sie es nur lustig, wenn Frauen über Männer herziehen, ist das immer geschmacklos, ihr Frauen kennt einfach kein Maß; halt dich da zurück!“ Deswegen halte ich mich zurück und werde Ihnen nicht verraten, was ich über den Herrn Komiker und den Herrn Dichter denke. Wäre dem nicht so, würde ich es ja sagen…

Dem Dichter verdanken wir Tausende Lieder, die von vielen Menschen in ganz Jugoslawien gesungen wurden. Wann wurde aus dem Dichter allerdings ein echter Star? Erst, als er in Italien auf Kosten der italienischen Steuerzahler eine Lebertransplantation bekam. Und warum brauchte der Dichter eine neue Leber? Diese Frage beantwortete er in einer Zeitung mit Großauflage: Seine Leber sei eines traurigen Tages von einem Löffel verdorbenen Ajvar völlig aufgefressen worden. Wenn ich schadenfroh wäre, würde ich ihm die folgende Frage stellen: Lieber Herr Dichter, wenn Sie Ihre Aussage läsen, als wäre sie nicht die Ihre, und parallel dazu hörten, was die Fernsehmoderatorinnen Mollig, Rollig und Drollig von sich geben, wessen Gerede würde Ihnen dümmer vorkommen?

Der Herr Dichter, der mit seiner Geschichte von der Leber in der Geschichte Kroatiens seinen Platz finden wird, hat einen Sohn Künstler. Der Herr Sohn war einmal in einer Quizsendung zu Gast. Für jede richtige Antwort wurde Geld für irgendein Kinderheim gespendet. Der Moderator fragte ihn, wie der beste Freund von Robinson Crusoe heiße: a) Sonntag b) Freitag c) Lucky. Nach einer längeren Denkpause entschied sich der Herr Sohn für c) Lucky. Ich sage besser nichts über seine prominente Frau Mutter, die neben ihm gesessen und zustimmend genickt hatte.

Ein paar Tage später ging die Tatsache, dass in meinem Wohnzimmer, in einem wunderschönen Aquarium, zwei wunderschöne Goldfische schwimmen, an den besagten kroatischen Zeitungen völlig vorbei. Der eine Fisch trägt den Namen Söhnele-Dödele, der andere heißt Ajvarman . Beide sind übrigens noch am Leben. Die Journalisten sind offenbar vollends damit beschäftigt, dem Herrn Dichter und dem Herrn Sohn-Künstler die Eier zu massieren, weil diese ja „etwas darstellen“. Wenn die Journalisten zu mir gekommen wären, hätten sie in Erfahrung gebracht, dass ich nicht nur die zwei Goldfische habe, sondern auch einen Hund besitze, der Fehlschießer heißt. Den Namen verdankt er dem Schwanz des Herrn Komikers, dem es nicht gelingt, einen Sohn zu zeugen und endlich das Thema zu wechseln. Was? Sie spüren meine Häme? Genau davon haben meine „normalen“ Männer gesprochen. Wenn sich Männer über Frauen lustig machen, dann sind die Kerle echte Spaßvögel, hingegen sind Frauen, die sich über Männer auslassen, echte Giftschlangen. Nichts ist ihnen heilig. Weder eine Lebererkrankung noch der Überschuss an weiblichen Nachkommen in der Familie eines armen Menschen, der sich sehnlichst einen Jungen wünscht. Der Herr Dichter und der Herr Komiker sind doch keine toxischen Männchen, sie sind nur humorvolle Männer, die mit viel Liebe, Verständnis und Einfühlungsvermögen die Wahrheit über Frauen sagen, nämlich, dass sie entweder nicht besonders schlaue, aber dafür hübsche Tierchen oder eben der beste Freund des Menschen sind.

Ich muss zugeben, ich verstehe den männlichen Humor nicht. Deswegen enthalte ich mich jeglicher Kommentare und schweige wie die Aquarienfische, die in dem zweiten Aquarium, das ich mir ebenfalls zugelegt habe, fröhlich herumschwimmen. Der erste Fisch heißt „Ihr“, der zweite hört auf den Namen „Könnt“, und den dritten nenne ich liebevoll „Mich Mal“.

-----------------

Titel des Originals: Bucek, Mucek, Picek

© Vedrana Rudan, https://www.rudan.info, FB: https://de-de.facebook.com/VedranaRudanBlog/about/

© Deutsche Übersetzung: Grozdana Bulov, Wien

Eine gemeinsame Sprache für Ihren Erfolg!

Dienstleistungen Über mich Blog FAQ Kontakt Impressum Datenschutz AGB English Srpski

Diese Webseite verwendet Cookies, damit Sie unsere Webseite optimal nutzen können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.

Ich habe verstanden, diese Meldung ausblenden